Draußen tobte der Sturm. Dunkle Wolken wirbelten über das Land, Blitze zuckten am Himmel und der Regen fiel in dichten, unaufhörlichen Strömen. Die sonst so ruhige Landschaft verwandelte sich in ein gefährliches Szenario, in dem jedes Lebewesen plötzlich ums Überleben kämpfte.

Inmitten dieses Chaos lag eine alte, knarrende Scheune am Rand eines kleinen Hügels. Dort lebte Bella – eine junge Katzenmutter – gemeinsam mit ihrem neugeborenen Kätzchen. Die beiden hatten sich ein ruhiges, trockenes Nest aus Heu gebaut, sicher geglaubt vor dem Wetter.
Doch Bella spürte sofort, dass etwas nicht stimmte. Eine unheimliche Spannung lag in der Luft. Dann hörte sie es: das ferne Grollen von Wasser. Erst war es nur ein leises Murmeln, dann wuchs es zu einem tosenden Rauschen heran. Der Fluss, der ganz in der Nähe verlief, war über seine Ufer getreten – und das Wasser kam schnell.
Der Kampf gegen die Zeit beginnt
Bella blieb keine Zeit zum Überlegen. Schon begannen erste Wassertropfen durch die Ritzen der Holzplanken zu sickern. Der Boden unter ihren Pfoten wurde feucht, dann matschig, schließlich stand das Wasser bereits mehrere Zentimeter hoch.
Mit ihren feinen Instinkten wusste sie: Wenn sie jetzt nichts unternimmt, wird ihr Kätzchen es nicht schaffen. Also schnappte sie das kleine, hilflose Bündel vorsichtig im Nackenfell und suchte hastig nach einem sicheren Ort innerhalb der Scheune. Sie kletterte höher, auf eine alte Truhe unter dem Dachgebälk. Für einen Moment schien es zu reichen.
Doch der Regen ließ nicht nach. Die Flut stieg unaufhaltsam. Das Wasser schwappte bereits gegen die Truhe. Bella sah sich hektisch um. Die Scheune war kein Zufluchtsort mehr – sie war zur Falle geworden.
Ein riskanter Weg ins Ungewisse
Jetzt gab es nur noch eine Chance: raus aus der Scheune, durch das Wasser, hinauf auf die Hügel hinter dem Gebäude. Der Weg dorthin war nicht weit, aber er führte durch ein reißendes, eiskaltes Flutbecken, das alles mit sich riss, was ihm im Weg stand.
Bella zögerte keinen Moment. Sie packte ihr Baby erneut vorsichtig im Maul, kletterte über eine umgekippte Holztür und sprang ins kalte Wasser.

Die Strömung war heftig. Jeder Schritt wurde zu einem Kampf. Das Wasser drückte gegen ihren kleinen Körper, zerrte an ihren Beinen, riss an ihrem Fell. Doch Bella gab nicht auf. Ihre Liebe war größer als jede Angst.
Am Ende des Weges: Hoffnung
Endlich, nach einer gefühlten Ewigkeit, erreichte sie festen Boden. Tropfnass, zitternd vor Anstrengung und Kälte, schleppte sie sich auf eine kleine Anhöhe. Dort, auf sicherem Grund, ließ sie ihr Kätzchen vorsichtig ins Gras gleiten.
Es rührte sich nicht. Für einen winzigen Moment hielt die Welt den Atem an. Dann – ein leises, kehliges Miauen. Das Kleine lebte. Bella begann, es liebevoll abzulecken, um es zu wärmen und zu beruhigen.
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